Erprobungsprojekt zur qualifizierten Biotoppflege in Verbindung mit Weidenutzung

Erprobungsprojekt zur qualifizierten Biotoppflege in Verbindung mit Weidenutzung

1. Ausgangssituation

Im Gewann „Wäldlen“ im Schozachtal bewirtschaftet der Reiterverein Lauffen am Neckar e. V. seit Jahrzehnten eine ca. 5 ha große Weidefläche. Durch langjährige, kontinuierliche und vergleichsweise intensive Pferdebeweidung hat sich dort eine magere Flachland-Mähwiese entwickelt – ein ökologisch wertvoller Offenlandlebensraum mit artenreicher Vegetation. Das Biotop wurde im Jahr 2020 als solches kartiert.

Nach gängigen naturschutzfachlichen Leitlinien wird für vergleichbare Biotopflächen häufig eine stark eingeschränkte Beweidung von lediglich zweimal zwei Wochen pro Jahr empfohlen. Eine derart reduzierte Nutzung ist im vorliegenden Fall aus Tierschutzgründen nicht realisierbar, da dem Verein keine alternativen Weideflächen zur Verfügung stehen und Pferde als Herdentiere auf regelmäßigen Auslauf, Bewegung und Sozialkontakt angewiesen sind.

Gleichzeitig ist festzustellen, dass der heutige Biotopzustand gerade durch die intensive Pferdebeweidung entstanden ist. Ohne eine kontinuierliche Pflege und ohne die steuernde Wirkung der Beweidung würde die Fläche mittelfristig verbuschen, Gehölzaufwuchs würde zunehmen und der Charakter der mageren Flachland-Mähwiese verloren gehen. Damit wäre auch der damit verbundene Lebensraum für spezialisierte Pflanzen- und Tierarten gefährdet.

Diese besondere Ausgangssituation macht eine differenzierte, standortbezogene Betrachtung erforderlich.

2. Ziel des Projekts

Ziel des Erprobungsprojekts ist es zu untersuchen, ob durch ein optimiertes Weidemanagement und gezielte Pflegemaßnahmen:

  • der ökologische Status der Fläche erhalten und stabilisiert werden kann,
  • eine weitere Nährstoffanreicherung vermieden wird,
  • und gleichzeitig eine tiergerechte, ganzjährige Weidenutzung möglich bleibt.

Das Projekt soll praxisnahe Erkenntnisse liefern, wie Naturschutz und artgerechte Pferdehaltung auf nutzungsbedingt entstandenen Biotopflächen in Einklang gebracht werden können. Die Weidehaltung erfolgt bewusst tiergerecht und entspricht dem natürlichen Bewegungs- und Sozialverhalten der Pferde. Regelmäßiger Weidegang fördert Gesundheit, Stoffwechsel und Sozialstruktur der Tiere und steht damit im Einklang mit den Zielen des Tierschutzes Diese Ziele sind nur mit erweiterten Maßnahmen zu erreichen.

3. Maßnahmen

3.1 Weidemanagement

Das Weidemanagement wird angepasst durch:

  • Systematische Steuerung der Beweidungsintensität
  • Einrichtung von Ruhephasen
  • Anpassung und Rotation der Teilflächen
  • Nutzung alternativer Auslaufflächen in Schlechtwetterperioden

3.2 Nährstoffmanagement

Da es sich um eine nährstoffarme Flachland-Mähwiese handelt, würde liegenbleibender Pferdemist zu einer schrittweisen Nährstoffanreicherung führen. Dies begünstigt konkurrenzstarke, schnellwachsende Gräser und kann langfristig zum Verlust typischer Magerwiesenarten führen.

Es erfolgt ein systematisches, flächiges Absammeln des organischen Materials. Hierfür ist die Anschaffung eines speziellen, bodenschonenden Pflegegeräts vorgesehen, das eine effiziente und gleichmäßige Mistaufnahme ermöglicht. Die Abfuhr des organischen Materials zur gezielten Reduzierung des Nährstoffeintrags und zur Sicherung der Standortmagerkeit kann so gewährleistet werden. Auf diese Weise kann die ökologische Qualität der Fläche trotz ganzjähriger Weidenutzung stabilisiert werden.

3.3 Flächenpflege

Regelmäßiges Mulchen zur Verhinderung von Verbuschung

Offenhaltungsmaßnahmen (z. B. Entfernung von Brombeerbewuchs) durch einen externen Agrarservice

4. Wissenschaftliche Begleitung

Das Projekt wird im Rahmen einer Abschlussarbeit einer Studentin der Pferdewirtschaft wissenschaftlich begleitet. Über die Vegetationsperioden hinweg werden:

  • Vegetationsstruktur und Artenentwicklung dokumentiert,
  • Auswirkungen unterschiedlicher Nutzungsintensitäten analysiert,
  • bestehende fachliche Leitlinien mit den praktischen Ergebnissen verglichen.

Auf dieser Grundlage wird ein standortangepasstes, praxisnahes Nutzungskonzept entwickelt.

5. Öffentlichkeitsarbeit und Beteiligung

Das Projekt wird aktiv in die Öffentlichkeitsarbeit des Vereins eingebunden. Im Rahmen vereinseigener Veranstaltungen – insbesondere bei Turnieren, Tagen der offenen Tür sowie weiteren öffentlichen Veranstaltungen – wird durch Informationsplakate und begleitende Hinweise auf das Projekt aufmerksam gemacht.

Darüber hinaus wird das Projekt regelmäßig auf der Vereinshomepage dokumentiert und über die Projektlaufzeit hinweg begleitet. Geplant sind fortlaufende Berichte zu Maßnahmen, Beobachtungen und Zwischenergebnissen.

Ein zentraler Baustein ist die Beteiligung am Landschaftspflegetag der Stadt Lauffen. Dabei wird das Projekt vor Ort erläutert und die Öffentlichkeit sowie Vereinsmitglieder aktiv in ausgewählte Pflegemaßnahmen eingebunden. Bereits beim ersten Landschaftspflegetag – noch außerhalb des Projekts – wurden beispielsweise gemeinsam entstandene Wildschweinschäden auf der Fläche beseitigt. Diese praktische Beteiligung stärkt das Bewusstsein für die Pflegebedürftigkeit der Fläche und fördert das Verständnis für naturschutzfachliche Zusammenhänge.

6. Verankerung im Satzungszweck des Vereins

Das Projekt steht in unmittelbarem Zusammenhang mit dem satzungsgemäßen Zweck des Reitervereins Lauffen am Neckar e. V. Der Verein verfolgt ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Zwecke. Satzungsgemäß gehören hierzu insbesondere:

  • die Förderung des Sports, insbesondere des Pferdesports,
  • die Förderung der Jugend,
  • die Beachtung und Förderung des Tierschutzes,
  • sowie die Pflege der Landschaft und die Förderung des Natur- und Umweltschutzes.

Die nachhaltige Bewirtschaftung der Weideflächen im Gewann „Wäldlen“ verbindet diese Zielsetzungen in besonderer Weise. Das Erprobungsprojekt konkretisiert somit die in der Satzung verankerte Verbindung von Sport, Tierwohl, Umweltverantwortung und ehrenamtlichem Engagement.

7. Erwarteter Nutzen

Das Projekt verbindet Biotoppflege, angewandte Forschung und Tierschutz. Erwartet wird:

  • der langfristige Erhalt der Artenvielfalt,
  • die Stabilisierung der Magerstandorte,
  • die Verhinderung einer fortschreitenden Verbuschung und damit der Verlust des Offenlandcharakters,
  • die Entwicklung eines übertragbaren Pflege- und Nutzungskonzepts,
  • sowie ein praxisnaher Beitrag zur Diskussion um Beweidungsrichtlinien auf nutzungsgeprägten Biotopflächen.

Durch die Kombination aus gesteuerter Beweidung, gezieltem Nährstoffentzug und ergänzender Pflege soll sichergestellt werden, dass das entstandene Biotop dauerhaft erhalten bleibt und nicht wieder in einen verbuschten Sukzessionszustand übergeht.